Wasserwelten

Nur wenige Dinge auf dieser Welt sind wohl so faszinierend und gleichzeitig so unbekannt wie unsere Meere. Unendliche Tiefen, unentdeckte Kreaturen, verlorene Welten - all das und noch viel mehr erwartet uns unter der Wasseroberfläche. Tiere und Pflanzen zeigen sich in einer Farbenpracht wie man sie an Land wohl nur sehr selten sieht. Viele Lebewesen unter Wasser haben Eigenschaften und Fähigkeiten entwickelt, die einen nur staunen lassen. Fähigkeiten, wo man lange glaubte, dass das nicht möglich ist.

PapageifischGroß, bunt und schön anzusehen sind sie - die Papageifische. Sie kommen nur in tropischen Gewässern vor und gehören zu den typischen Riffbewohnern. Die meisten Arten bedienen sich der Korallen als Nahrung und sind somit "korallenschädlich". Man sollte meinen, dass sie wegen ihrer Größe und ihrem starken Gebiss wenig Feinde haben. Doch Haie aber auch Muränen freuen sich über so eine üppige Mahlzeit.

Nachts wenn sie schlafen, sind sie angreifbar. Genau die Zeit wo Haie und Muränen auf Beutesuche unterwegs sind. Aber auch die kleinen Parasiten freuen sich, wenn ein Papageifisch ruhig beim Schlafen ist. Da gilt es sich geschickt zu schützen.

Doch wie schützt man sich im Schlaf?

Jeden Abend suchen sich die Papageifische eine Riffspalte oder eine kleine Höhle, um dort die Nacht zu verbringen. Doch damit ist es nicht getan, danach beginnen die Fische vom Maul ausgehend eine fast durchsichtige gallertartige Masse auszuscheiden. Nach 45-60 Minuten umschließt diese Masse ihren ganzen Körper und danach schlafen sie ein.
Dieser Kokon bildet eine Art Schutzwall. Werden sie gestört und müssen fliehen, bauen sie sich durchaus auch mehrmals in einer Nacht mit diesen Aufwand einen solchen Kokon. Bisher nahm man an, dass dieser Schutzwall den potentiellen Feinden wie Muränen oder Haien das auffinden erschweren soll. Kugelkopf Papageifisch

Neuste wissenschaftliche Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass dieser Kokon wohl hauptsächlich dazu dient Parasiten wie zum Beispiel blutsaugende Asseln den Angriff auf den Fisch zu erschweren. Die Schleimhülle verdeckt möglicherweise Geruchssignale die die Parasiten zum Aufspüren ihrer Opfer benötigen oder wirkt als physikalische oder chemische Barriere. Die Theorie, sich so vor Muränen oder Haien zu schützen ist wohl nur ein kleiner Nebeneffekt der zumindest bei Haien sehr wahrscheinlich uneffektiv ist. Haie spüren ihre Beute auch über elektrische Signale auf, ein Kokon kann solche Signale aber nicht abschirmen.
Am Tag lassen sich die Papageifische gern von Putzerfischen von ihren lästigen Parasiten befreien.
Nachts, wenn die Putzerfische schlafen, schützen sie sich eben durch ihren ganz persönlichen Schlafsack.

Foto unten: Kugelkopf Papageifisch (Chlorurus sordidus) in seinen Kokon (Foto: Beno Bernges)
Literatur:

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